In eigener Sache

ARTMUC-Magazin wird nicht mehr erscheinen

Gut vier Jahre standen wir mit viel Enthusiasmus dafür ein, Öffentlichkeit und Sichtbarkeit für die Münchner Kunst- und Ausstellungsszene herzustellen. Die Wertschätzung für die Vielfalt, die Leidenschaft der AkteurInnen und die Resonanz auf unsere Publikationen waren Ansporn, dem hoch gesteckten Anspruch über so lange Zeit gerecht zu werden. Da nach dieser Zeit immer noch keine wirtschaftlich relevante Perspektive absehbar ist, sehen wir keine andere Möglichkeit als das Magazin einzustellen.

Wir bedanken uns auf diesem Weg herzlich bei allen, die dieses Projekt durch Zuspiel, Anzeigenschaltungen, Resonanz und Erweiterung des Netzwerkes unterstützt haben.

Die Kaskade eingehender E-Mails und Anrufe nach Absage der März-Ausgabe bekundet Wertschätzung, aber auch einen Bedarf nach Sichtbarkeit für Kunst, Ausstellungen und künstlerische Positionen in München. Vielleicht ergeben sich aus unserem Entschluss, ARTMUC-Magazin zu beenden auch ganz andere Impulse für neue Initiativen und Projekte.

In jedem Fall wird es die ARTMUC-Messe weiterhin geben, für die das Magazin namensgebender Kooperationspartner war. Mit Aufgabe des ARTMUC-Magazins ist unser Enthusiasmus für die Kunst noch lange nicht am Ende. So freuen wir uns darauf, vielen von Ihnen in anderen Zusammenhängen wieder zu begegnen.

Mit allerbesten Grüßen
und mit Dank an alle Wegbegleiter und Leser
Dörthe Bäumer, Christiane Heinrich und Raiko Schwalbe

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Haus der Kunst

MEHR BUSEN GEGEN RECHTE WINKEL

Laure Prouvosts Installation im Haus der Kunst

ARTMUCMan könnte das Haus der Kunst als durch und durch maskuline Architektur bezeichnen: Ein aggressiv rechtwinkliges Monument des totalen Größenwahns. Doch dann hätte man gleich ein paar Männerrechtler am Hals. Laure Prouvost (geboren 1978) verpackt diese Deutung lieber charmant in den Vorschlag, wie man das Haus (das auf die Generalsanierung Ende 2017 zusteuert) einladender gestalten könnte: »More boobs«. Als Frau (und Französin) darf man das, und man kann Brüste ja so oder so interpretieren: Das erhöht Quoten-Weiblichkeit UND Sex-Appeal. Im Auftrag der »Freunde Haus der Kunst« schuf die in London lebende Künstlerin (Turner-Preis 2013) die neue Installation »Der Öffentlichkeit« für die Mittelhalle. Und sie bringt mit »We would be floating away from the dirty past« wirklich mehr Busen - als eine frivole Variante des Feminismus. Die Raum-Inszenierung ist imposant: Der Marmorboden scheint wie aufgeworfen zu einer starken Wölbung, doch bald erkennt man den Teppich, der die Plattenstruktur kopiert. Geht man herum, öffnet sich hinter der hell flackernden Leinwand eine dunkle Höhle. Wer sie betritt, taucht ein in eine Film-Projektion, die sinnliche Üppigkeit in Szene setzt: Während die Stimme der Künstlerin ironische Wohlfühl-Prosa haucht, sieht man Brüste, aus denen Muttermilch-Fontänen spritzen - und andere Wunder der Schöpfung: Schmetterlinge und Orchideen, Sonnenuntergang am Meer, Zumba-Tänzer und die Eisbach-Welle. Prouvost könnte Pipilotti Rists Tochter sein. Ihre Filmsequenzen sind ebenso bunt, nur ein bisschen weniger suggestiv und provokativ. Und die Motivwechsel sind schneller, unruhiger. Die Vergangenheit des Hauses als Manifestation der NS-Ideologie lässt sie beiseite. In den mit Elektro-Beats unterlegten Bildern traut sie sich einfach, von einem angenehmeren Ort zu träumen. So viel Unbeschwertheit im Umgang mit dem alten Kasten ist zwischendurch sehr erholsam.
Roberta De Righi
http://www.hausderkunst.de/
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